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Premiere

Das Recht auf Faulheit

nach Paul Lafargue

02. Mai 2018
Obermünsterstraße Regensburg


Besetzung

Kirche, Bürgertum, Kapitalist Jordi Kornmayer
Menschheit, Wissenschaft, Philosoph Matthias Kürzinger
Arbeiterin Anna Nawrath
Lafargue, Text, Regie Kurt Raster

Textauszug

1.1. Vorwort – Sprechen mit Zeigen

(Links Lafargue, daneben Philosophie/Menschheit/Wissenschaft, in der Mitte Arbeiterin, ganz rechts Kirche/Bürgertum/Kapitalist)

LAFARGUE: (hält Buch hoch) Das Recht auf Faulheit, Vorwort. Im Jahre 1849 sagte der Bürger Thiers als Mitglied der Kommission für den Grundschulunterricht: »Ich will den Einfluß der Kirche umfassend wieder herstellen, weil ich auf sie zähle in der Verbreitung jener guten Philosophie, die den Menschen lehrt, daß er hier ist, um zu leiden,

KIRCHE: (Kreuzzeichen) Leide! Leide! Leide!

LAFARGUE: und nicht jener anderen Philosophie, die im Gegenteil zum Menschen sagt:

PHILOSOPHIE: (nimmt Arbeiterin in den Arm) »Genieße!« Genieße! Genieße!

LAFARGUE: Als das Bürgertum noch gegen die Kirche kämpfte, befürwortete es freie Forschung und Atheismus. Mit voller Inbrunst hätte es mitgesungen:

BÜRGERTUM: (singt) Es rettet uns kein höh’res Wesen / kein Gott, kein Kaiser noch Tribun / Uns aus dem Elend zu erlösen / können wir nur selber tun!

LAFARGUE: Fröhlich hatte das Bürgertum die Überlieferungen des Heidentums aufgegriffen und das Fleisch und dessen Leidenschaften, diese Greueln in den Augen des Christentums, verherrlicht.

BÜRGERTUM: Wein! Ficken und Gesang!

LAFARGUE: Heute dagegen, gestopft mit Gütern und Genüssen, will das Bürgertum davon nichts mehr wissen und predigt den Lohnarbeiter*innen Enthaltsamkeit.

BÜRGERTUM: Ora et labora! Nur beten und arbeiten!

LAFARGUE: Die kapitalistisch-bürgerliche Moral belegt das Fleisch der Arbeiter*innen mit einem Fluch. Dessen Ziel ist es, ihre Bedürfnisse auf das geringste Maß zu drücken, Freude und Leidenschaften zu ersticken und sie zu bedürfnislosen Maschinen zu degradieren, aus denen mensch pausenlos und gnadenlos Arbeit herausschinden kann.

KAPITALISMUS: Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.

LAFARGUE: Wir müssen also den Kampf, den einst das Bürgertum selbst gekämpft hat, wieder aufnehmen!

MENSCHHEIT: Wein! Ficken und Gesang!

LAFARGUE: Wir müssen in den Köpfen der zur Aktion gerufenen Klasse die Vorurteile ausrotten, welche die herrschende Klasse gesät hat!

MENSCHHEIT: Der Mensch ist nicht des Menschen Feind, sie ist seine Freundin!

LAFARGUE: Wir müssen verkünden, daß die Erde aufhören wird, das Tal der Tränen für die Arbeiter*innen zu sein, daß in der Gesellschaft, die wir errichten werden, die menschlichen Leidenschaften sich selbst überlassen werden, da

WISSENSCHAFT: alle Menschen von Natur aus gut sind. (nimmt Arm der Arbeiterin und hebt ihn zur Siegerpose)


Video

Jahninselfest 29.06.2018


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Fotos: Herbert Baumgärtner