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Wie ich zum ueTheater kam

08. Februar 2014

Erfahrungsbericht

Wie ich zum ueTheater kam und zu meiner „Asyl-Erfahrung“

von Lisa Reichl

Nachdem mein Jahr mit schwierigen gesundheitlichen Problemen und einem längeren Krankenhausaufenthalt begonnen hatte, hatte ich ein bißchen Glamour in meinem Leben dringend nötig und überlegte, was ich tun könnte. Tanzen und Schauspielern gehörte schon lange zu meinen unausgelebten, aber unerreichbar scheinenden Träumen. Für ersteres erschien es mir ein bißchen zu spät – ich bin 49 – und Schauspielern traute ich mich nicht, weil ich schüchtern bin. Darum blieb es erst einmal beim Träumen.

Da spazierte ich eines Tages in meinen Dönerladen und entdeckte den Aushang: „Das ueTheater Regensburg sucht Mitspieler/innen".

Ich riss mir einen Streifen mit der Kontaktnummer ab und stopfte ihn in mein Geldbörsl. Dort lag er etliche Wochen rum und grinste mich jedesmal an, wenn ich Geld ausgab. Mal traute ich mich nicht, anzurufen. Dann vergaß ich es wieder. Irgendwann holte ich den Zettel raus um ihn wegzuwerfen. Sicherlich wäre es jetzt zu spät, ich habe erfolgreich vertrödelt, dachte ich bei mir. Aber wenn dem so wäre, dann könnte ich ja jetzt gefahrlos meine Neugier befriedigen und einfach mal anrufen? Es konnte ja nichts mehr passieren!

Nach einem ausführlichen Telefonat mit dem Regisseur der Gruppe, der einen freundlichen und offenen Eindruck auf mich machte und meinte, sie würden schon noch jemanden für ihr aktuelles Stück „Asyl“ brauchen, wurde ich für den kommenden Mittwoch eingeladen. Seit diesem Tag bin ich dabei. Geschafft!

Mit dem Thema „Asyl" hatte ich mich bis dato wenig beschäftigt. Durch die Arbeit an dem vom ueTheater selbst erarbeiteten Stück erfuhr ich nun geballt von den Bedingungen, mit denen Asylsuchende in Bayern zu kämpfen haben und war entsetzt. Ich wollte unbedingt an der Aufklärung mitwirken. Ehe ich mich versah, hatte ich verschiedene Rollen als Asylsuchende oder Sachbearbeiterin inne. Von nun an kam zwar nicht gerade der Glamour, aber jede Menge Erfüllung durch gemeinschaftliches Arbeiten und bereichernder Tiefsinn in mein Leben.

Wir sind ein tolles Team: Wir können uns aufeinander verlassen und wir können zusammen lachen. Wir teilen unser Entsetzen, unsere Empörung, und wir schonen uns nicht. Wir versorgen und trösten uns, bauen uns auf und kritisieren uns. Jeder bringt sich mit seinen Fähigkeiten ein. Wir müssen manchmal an den schlimmsten Stellen lachen, damit wir nicht weinen müssen, und wir lernen Seiten aneinander kennen, die man sonst nur in langen, langen Freundschaften erfährt.

Ich kann gar nicht genau sagen, wie das Stück gewachsen, in uns hineingewachsen ist. Wir haben natürlich viel geprobt und ich persönlich bin oft an meine Grenzen gestoßen.

Ich hätte nie gedacht, in derartig verschiedene Rollen schlüpfen zu können, und noch viel weniger, tatsächlich vor Publikum zu spielen. Wie aus unserem chaotischen Probenspaß letztendlich ein Stück mit Hand und Fuß wurde, war beeindruckend mitzuerleben. Dahin hat uns der Regisseur mit seiner Erfahrung, aber auch wir uns gegenseitig mit viel Lob und konstruktiver Kritik verholfen.

Nach und nach erarbeiteten wir auch die Infoblöcke, die per Video zwischen den Spielszenen eingespielt werden sollten. Das führte uns die Unmenschlichkeit der Lage von Asylbewerbern noch einmal überdeutlich vor Augen.

Dann war es soweit: Unser erster Auftritt in einem Jugend- und Familienzentrum in unmittelbarer Nähe des örtlichen Flüchtlingslagers.

Es war ein unbeschreibliches Erlebnis! Wir haben zwar zusammen hinter der Bühne gezittert, aber fest aneinander geglaubt. Und es hat funktioniert: Die Betroffenheit der Zuschauer hat uns tief berührt.

Im Forumteil, in dem das Publikum die Möglichkeit hat, auf die Bühne zu kommen und in das Geschehen einzugreifen, wurde viel Improvisationstalent von uns verlangt. Sei es als Polizistin, die im Zug eine Asylbewerberin auf die Einhaltung der Residenzpflicht hin kontrolliert, oder als Sachbearbeiter, der über die Ausgabe von Krankenscheinen zu bestimmen hat. Es mußte flexibel und möglichst wirklichkeitsnah auf die Beiträge reagiert werden.

Doch trotz unserer wackeren Gegenwehr gelang es Zuschauern immer wieder, durch beherztes und oft überraschendes Eingreifen eine änderung von unmenschlichen Verhaltensweisen herbeizuführen (was uns natürlich innerlich sehr freute!)

Wir touren seitdem durch Bayern und sind mittlerweile viele Male aufgetreten. Jedesmal hat das Publikum durch sein Mitwirken den Abend individuell geprägt und bleibende Erinnerungen geschaffen. Besonders aber bewegte uns ein Statement eines Asylbewerbers aus Nigeria: Unser Stück sei eine „Fotokopie“ seines Alltags.

Ich bin sehr froh, dass ich ein Teil dieses Projekts bin!!