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Lehrerin Elly Plakat

Premiere

Lehrerin Elly

von Josef Wolfgang Steinbeißer


15. Januar 2014
Elly Maldaque Theater an der Uni Regensburg



Besetzung

Zwilling, Schleicher, Irene,
Bruckmoser
Marion Forster
Elly Maldaque Lena Ghio
Freimuth, Endres, Brunhuber Florian Schmid
Simon Frank Thomas Jahnke
Volkmann, Freimüller, v. Buchberg Felix Reinelt
Lina Maldaque Sara Rettig
Wilhelm Maldaque Joachim Lösel
Regie Kurt Raster

Presseinfo

Uraufführung: „Lehrerin Elly“ von Josef Wolfgang Steinbeißer

Das ueTheater inszeniert das früheste Theaterstück über die berühmte Lehrerin.

Die Volksschullehrerin Elly Maldaque kam 1930 zu Tode. Trotzdem gilt sie vielen als das erste Naziopfer Regensburgs. Warum? Rupert Limmer, der aufrechte Journalist des Regensburger Echos, schrieb kurz vor ihrem Tod: „Was heute einer des Kommunismus verdächtigen Lehrerin passiert, kann morgen jedem Menschen passieren, der überhaupt nur sich zu denken erlaubt, was mit der offiziellen Lesart nicht übereinstimmt.“

Josef Wolfgang Steinbeißer hat seiner Freundin ein Denkmal gesetzt. Auch sein Stück „Lehrerin Elly“, in Elly Madaques Todesjahr geschrieben, endet mit einer Prophezeiung, die leider nur zu wahr wurde. Der Fall Elly Maldaques wurde zum Menetekel.

Und heute? Wieder sind Verfassungsschutz und rechte Kreise aufs engste verbandelt, wieder hetzen gewählte Politiker gegen Minderheiten, wieder wird eine Wirtschaftskrise mit Härte und Massenverarmung beantwortet.

Das Schicksal Elly Maldaques geht uns alle an.


Kritik I

Mittelbayerische Zeitung, 13. Januar 2014

Was Elly Maldaque und Gustl Mollath gemeinsam haben

Entpolitisierte Kunst genügt dem „ueTheater“ nicht. Das Ensemble spielt die Geschichte der „Lehrerin Elly“ im Uni-Theater – auch wegen aktueller Bezüge. Von Susanne Wiedamann

Im Mai trafen sie die Entscheidung für das Stück „Lehrerin Elly“ von Josef Wolfgang Steinbeißer. Seit vier Monaten arbeiten die acht Ensemblemitglieder des „ueTheaters“ an der Uraufführung, diskutieren, proben, diskutieren wieder – nicht nur über die Geschichte der Elly Maldaque, die als erstes Regensburger Opfer der Nationalsozialisten gilt, nicht nur über Steinbeißer, der mit der Lehrerin eng befreundet war, über seine Sprache und Dramaturgie – sondern auch und immer wieder über Parallelen der damaligen Geschehnisse mit Vorfällen der Gegenwart.

„Man hat als ganz normaler Bürger wenig Mittel an der Hand, die Wahrheit ans Licht zu bringen“, sagt Lena Ghio, die bei der jüngsten Produktion des „ueTheaters“ die Elly Maldaque verkörpern wird. Sie bezieht sich damit nicht nur auf den Fall Maldaque, sondern denkt auch an Gustl Mollath oder Tennessee Eisenberg. An Fälle, in denen die Macht staatlicher Stellen, von Behördenvertretern oder Polizei, zu groß und unangreifbar schien, in denen sich die Frage nach der Rechtsstaatlichkeit ihres Handelns stellt.

Abgeschoben in die Psychiatrie

Gerade das Schicksal von Gustl Mollath weist Parallelen zu dem der Lehrerin auf, die nationalkonservativ ausgerichtete Kreise 1929 und ’30 bespitzeln ließen, als Kommunistin denunzierten und unter einem Vorwand in die Nervenheilanstalt Karthaus-Prüll steckten. „Es gibt diese Fälle eben auch heute noch, wo totales Unrecht geschieht, wo jemand verräumt wird, weil er unbequem ist, weil irgendetwas nicht passt“, sagt Joachim Lösel, der im Stück Ellys Vater darstellt.

Regisseur Kurt Raster erinnert auch an Ilona Haslbauer. Die Regensburgerin wurde vor sieben Jahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, weil sie eine Frau mit dem Einkaufswagen angefahren hatte. Aufgrund einer laut Gutachter wahnhaften Störung kam sie in die geschlossene Psychiatrie und ist dort, soweit Raster weiß, bis heute. „Weil sie jemanden mit dem Einkaufswagen gerammt hat“, wundert sich der Theatermann.

Das „ueTheater“ hat ausdrücklich politische Ambitionen: Die Stücke sollen etwas aussagen, ein Thema anpacken, das „auf den Nägeln brennt“, wie Raster sagt. „Wir wollen die Auseinandersetzung, durch klare Positionierung.“ Am Mittwoch um 19.30 Uhr hat das 1930 entstandene Stück „Lehrerin Elly“ Premiere – im „Elly Maldaque Theater“, wie Raster grinsend sagt, denn seit Jahren kämpft er vergeblich um die Umbenennung des Uni-Theaters. Er kämpft für die Würdigung einer besonderen Frau, die erst durch die Kunst, durch etliche Dramatisierungen, eine historische Figur geworden sei. Und: „Der Fall Elly Maldaque ist gruselig aktuell“, sagt Raster.

NSA und Wirtschaftskrise

„Es war die übergangszeit von der bürgerlichen Demokratie zum Nationalsozialismus. Man sieht die Fehler jener Zeit, dass man auf dem rechten Auge blind war, dass der Staat mit den Nazis zusammengearbeitet hat. Heute arbeitet der Verfassungsschutz mit Nazispitzeln zusammen. Und die NSA überwacht den privaten E-Mailverkehr“, so wie die Rechten damals Maldaques Tagebuch als Munition gegen sie verwandt hatten, sagt Raster. „Uns allen geht es ums Nachdenken, darum, dass die Demokratie geschützt wird“, sagt Raster, und Ghio ergänzt: „Es geht um Wachsamkeit.“

Der Regensburger Autor Steinbeißer hatte die junge Lehrerin Elly sehr gut gekannt. Viele Zitate aus dem Stück sind im gleichen Tonfall gehalten wie Ellys Tagebuch. Dass Steinbeißers Drama nach über 80 Jahren die Uraufführung erfährt, hat seine Berechtigung, auch wenn das Stück schon sehr textlastig ist und in einer „ungewöhnlich altertümlichen Sprache“ abgefasst ist, wie Sara Rettig, die Ellys Mutter spielt, zugibt. „Doch das ist interessant, vom Schauspielerischen her, wenn nicht so viel drumherumpassiert.“

Das Stück hat genügend überraschende Wendungen, ist Joachim Lösel überzeugt. „Ich bin sicher, das Publikum wird gebannt davorsitzen.“


Kritik II

Mittelbayerische Zeitung, 17. Januar 2014

Großes Theater, nicht nur auf der Bühne

Nach nerviger Wackelpartie: Kräftiger Applaus für Josef Wolfgang Steinbeißers Drama „Lehrerin Elly“ und die Aufführung des ueTheaters an der Uni. Von Susanne Wiedamann

Diese Premiere wird vielen lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur, weil das Stück „Lehrerin Elly“ quasi erst mit über 80 Jahren Verspätung auf die Bühne kam. Sondern gleich aus einer Vielzahl von Gründen: wegen der erstklassigen Inszenierung durch das ueTheater und die Güte dieses vernachlässigten Stücks. Wegen der Wiederentdeckung eines Regensburger Autors, der es verdient hat, dass sich die Theater seiner Dramen wieder annehmen. Und schließlich, weil es überhaupt zu dieser Aufführung kam, obwohl dem Unterfangen erst letzte Woche noch der Wind entgegenblies.

Groß sind die Erwartungen im Premierenpublikum vor der Vorstellung im Theater der Universität am Mittwochabend. Zwei ältere Damen können sich noch gut an eine szenische Lesung 1970 erinnern, in der der damalige Präsident der Regensburger Schriftstellergruppe International (RSGI), Erich Ludwig Biberger, die vergessene Tragödie der „Lehrerin Elly“ von Josef Wolfgang Steinbeißer erstmals vor Publikum präsentieren ließ. Biberger hatte auch eine Aufführung im Stadttheater im Sinn, die aber nicht zustande kam. „Zu der Zeit war es verpönt, dass man etwas darüber bringt“, weiß eine der Damen und freut sich auf die jetzige Uraufführung.

Das erste Regensburger Nazi-Opfer

Auch Annette Halm, vor einem Jahr zugezogene Regensburgerin, ist gespannt. Als Mitglied der Falken weiß sie um das große Interesse der Regensburger Lehrerin Elly Maldaque an Sozialismus und Kommunismus – und dass ihr dies zum Verhängnis wurde, dass sie zum ersten Opfer der Nationalsozialisten in Regensburg wurde, eingesperrt im Irrenhaus und am 20. Juli 1930 aus ungeklärter Ursache verstorben. „Ich will mehr über sie erfahren“, sagt die Sozialpädagogin.

Wolfgang Hagen, Schwiegersohn der jüngsten Tochter des Autors Steinbeißer, freut sich auf die Premiere. Bereits seit mehr als drei Jahren ist er mit Regisseur Kurt Raster in Verbindung, hat die Vorbereitungen mitverfolgt und unterstützt. „Das war bis zuletzt spannend, weil vergangene Woche plötzlich Stefan Rimek von der RSGI angerufen und gesagt hat, die Rechte an dem Stück lägen bei der RSGI. Es täte ihm leid, aber es könne sein, dass er die Uraufführung verbieten muss.“ Hagen macht aus seinem Groll kein Hehl, auch wenn Rimek einen Tag später zurückgerudert sei.

Ansonsten habe ihn selbst Rimeks Einlassung ziemlich kalt gelassen. Die Familie habe die Rechte an allen Steinbeißer- Stücken. Es gebe kein Testament, das etwas anderes festlege, habe ihm seine Schwiegermutter Charlotte Stojko versichert, erzählt Hagen und zeigt das Orginalmanuskript der ersten Fassung, die damals noch „Die Kommunistin“ hieß. Steinbeißer, ein enger Freund der Elly Maldaque, hatte sich noch am Tag ihres Todes hingesetzt und diese erste Version geschrieben: „Dem Andenken der Lehrerin Elly Maldaque gewidmet. Regensburg am 20. Juli 1930“, steht da zu Beginn.

Aus allen Wolken gefallen

Trotzdem hatte Rimeks Ankündigung wenige Tage vor der Premiere wie eine Bombe gewirkt: „Das war schon ein Schock! Ich bin aus allen Wolken gefallen!“, sagt Regisseur Raster. Doch das Ensemble war sich seiner Sache sicher. „Steinbeißer hatte keinen Verlag. Und von der Familie hatten wir das Einverständnis.“

Natürlich hätte er die Premiere nicht platzen lassen, betont RSGI-Präsident Stefan Rimek, der sich die Uraufführung nicht entgehen lässt. Er habe sich geärgert, weil er erst zehn Tage vor der Premiere von der Inszenierung durch das ueTheater erfahren habe. Dabei habe er doch Kurt Raster bei der Recherche geholfen (was dieser auch im Programmheft würdigt). Und die RSGI hätte doch selbst die Uraufführung angestrebt, und er den Intendanten des Theaters Regensburg schon darauf angesprochen gehabt. Er sei davon ausgegangen, dass die Schriftstellergruppe die Rechte besitzt, da Biberger ja die Lesung gemacht habe. Dass er gesagt hatte, dass er die Premiere vielleicht „verbieten“ müsse, bestreitet Rimek nicht. „Hätten meine beiden Vize- Präsidenten das verlangt, hätte ich nicht anders gekonnt,“ sagt er.

Dass das Ensemble dann eine herausragende Inszenierung mit starken schauspielerischen Leistungen zeigt – allen voran Lena Ghio in der Rolle der Elly Maldaque –, grenzt angesichts dieses Vorgeplänkels an ein Wunder. Das Publikum klatscht und trampelt donnernden Applaus. Selbst Rimek lobt: „Das haben die sehr gut gemacht!“ Und auch Premieren-Gast Ernst Seler, der einst gegen Kruzifixe in Klassenzimmern klagte, ist wegen der Parallelen des Stücks mit der Gegenwart beeindruckt. „Das ist große Aufklärung!“

Sonja Hagen, die mit viel Familie zur Uraufführung des Stücks ihres Großvaters gekommen ist, ist sehr zufrieden: „Ich bin ganz begeistert!“ „Es hat mir sehr gut gefallen,“ sagt auch Robert Steinbeißer. Und Wolfgang Hagen ist noch ganz ergriffen: „Ich fand’s gut, teilweise mit Gänsehautgefühl, wenn man an die Aktualität denkt.“


Programmheft

In einem ausführlichen Programmheft wurde von uns das Leben Josef Wolfgang Steinbeißers und die Entwicklungsgeschichte seines Stücks "Lehrerin Elly" nachgezeichnet.

Das komplette Programmheft kann hier als pdf-Datei herunterladen werden.


Szenenbilder

  • LehrerinElly01
  • LehrerinElly02
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  • LehrerinElly23
  • LehrerinElly24

Fotos: Herbert Baumgärtner