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Friedhof der atmenden Toten Plakat

Premiere

Friedhof der atmenden Toten

von Ilona Haslbauer


22. Januar 2015
Elly Maldaque Theater
an der Uni Regensburg



Besetzung

Patientin Ilona Haslbauer Loretta Lindl
Pfleger Schultheis Patrick Weißler
Pfleger Krämer Michael Ahlers
Pflegerin Kraus Nicole Kampa
Patientin Kilian, Patientin Gundi, Pflegerin Hitzenbichler, Sklavin 2 Anja Wiesner
Patientin Gület, Patientin Dagmar, Pfarrerin Bergstetter, Sklavin 1 Franziska Bachhuber
Patientin Selin, Patientin Yasmin, Patientin Walter Karen Mursch
Patientin Waltraud, Patientin Barbara, Arbeitstherapeut Nierweg, Patientin Sybille Tanja Huber
Patientin Paulchen, Patientin Christine Kathrin Blomeier
Pfleger Engel Joachim Lösel
Pfleger Knoll Felix Reinelt
Stationsarzt von Braunschmidt Marcus Glaab
Requisiten und Schminke Lisa Schön
Regie, Bühne Kurt Raster

Presseinfo

Friedhof der atmenden Toten - Szenen aus der Zwangspsychiatrie

Ein Theaterstück von Ilona Haslbauer, aufgeführt vom ueTheater Regensburg

Die Regensburgerin Ilona Haslbauer verbrachte als gesunder Mensch über sieben Jahre in der Zwangspsychiatrie. Der Einlieferungsgrund: Sie habe angeblich eine Nachbarin mit einem Einkaufswagen angerempelt. Was im normalen Leben maximal zu einer Geldstrafe führen würde, kann schnell zu lebenslänglich hinter Gittern werden, wenn ein Gutachter einen Wahn und eine allgemeine Gefährlichkeit herausgefunden haben will. Dann greift nämlich § 63 Strafgesetzbuch: Zwangsweise Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Der Maßregelvollzug ist eine perfekte Gelddruckmaschine. Durchschnittlich 300 Euro bekommen die überwiegend privatwirtschaftlich organisierten Forensiken pro Patient und pro Tag (!). Logisch, dass diese Einrichtungen kaum Interesse an einer Gesundung ihrer Insassen haben. Sie bieten nur eine rudimentäre medizinische Betreuung an und so gut wie keine Therapie. Stattdessen droht den Patientinnen und Patienten Zwangsmedikation, Isolation und Fixierungen über Tage und Wochen. Eine ununterbrochene Fixierung von 60 Tagen ist inzwischen gerichtsrelevant geworden.

Ilona Haslbauer hat diese Hölle durchlebt. Nur mit Hilfe eines breiten Unterstützerkreises, bei dem sich auch Nina Hagen sehr aktiv beteiligte, kam sie August 2014 frei. In ihrem Theaterstück „Friedhof der atmenden Toten – Szenen aus der Zwangspsychiatrie“ verarbeitet sie ihre Erlebnisse. Erlebnisse, die ein Mensch in einem demokratischen Staat nicht für möglich halten würde.


Kritik I

Passauer Neue Presse, 21. Januar 2015

Neues aus dem Kuckucksnest

Nina Hagen holte die Ortenburgerin Ilona Haslbauer aus der Psychiatrie - In Regensburg kommt morgen ihre Geschichte auf die Bühne. Von Raimund Meisenberger

Punk-lkone Nina Hagen will dabei sein, Gustl Mollath will kommen. Das kleine Elly Maldaque Theater an der Universität Regensburg wird morgen Schauplatz einer außergewöhnlichen Premiere. „Friedhof der atmenden Toten" heißt das Stück. „Szenen aus der Zwangspsychiatrie" der Untertitel. Geschrieben hat den Text - basierend auf ihren eigenen Erfahrungen - eine Frau, die sich selbst als „zweiten Fall Mollath" bezeichnet. Ilona Haslbauer, geboren im niederbayerischen Ortenburg, 58 Jahre alt, lebt heute in Passau. Nach sieben Jahren kam sie im August mit Hilfe eines Unterstützerkreises um Nina Hagen aus der Psychiatrie frei. Ihre Geschichte ging bundesweit durch die Medien.

Das große Ziel heißt Wiederaufnahme

Vom Fall Mollath unterscheidet sich Ilona Haslbauers Fall grundlegend dadurch, dass sie mit ihrem Münchner Anwalt Armin Ahmed erst ein Wiederaufnahmeverfahren vorbereitet, das ihre Unschuld bestätigen soll. Die Sozialpädagogin wurde zu vier Monaten Haft verurteilt, weil sie eine Nachbarin im Supermarkt zwei Mal mit dem Einkaufswagen gerammt haben soll. Ein Gutachter diagnostizierte eine wahnhafte Störung, erklärte sie für schuldunfähig - statt ins Gefängnis wurde Haslbauer 2007 als schuldunfähig in den Maßregelvollzug nach Taufkirchen eingewiesen. Heute noch sagt sie beim Interview in ihrer kleinen Altstadtwohnung: „Ich habe die Tat nicht begangen und ich bin nicht psychisch krank - das will ich beweisen." Die sieben Jahre Psychiatrie seien als drei Monate Haft angerechnet worden, vier Wochen seien noch offen auf Bewährung. „Ich habe fünf Jahre Führungsaufsicht und eine Bewährungshelferin. Wenn ich schwarz fahre, muss ich ins Gefängnis."

Von Gustl Mollath unterscheidet sich Ilona Haslbauer aber auch dadurch, dass sie künstlerisch aktiv ist: Schon vor ihrem Klinikaufenthalt spielte sie Theater, schrieb Gedichte und arbeitete für die Lyrikseite der Regensburger Sozialzeitung „Donaudstrudl". Ihre „Gedichte aus der Zwangspsychiatrie" sind auf CD erschienen, jüngst brachte sie sie mit Nina Hagen in Passau auf die Bühne. Nun also ein Theaterstück, eine Art bayerische Version von „Einer flog über das Kuckucksnest".

„Ich habe noch nie ein Drama geschrieben, ich hab's einfach probiert", sagt die Autorin offen. Inspiriert dazu hat sie Regisseur Kurt Raster vom politisch geprägten Regensburger „ueTheater", mit „ü" wie Überbau. Der Klinikseelsorger besorgte ihr ein Buch über szenisches Schreiben, und Ilona Haslbauer „fing an aufzuschreiben, was ich erlebt habe."

„Fing an aufzuschreiben, was ich erlebt habe"

Den meist studentischen Schauspielern zeigt sie, „wie man jemanden richtig fixiert" und wie man „schreit wie ein Tier", ihre Szenen handeln von Gestank im Zimmer, abgehörten Telefonaten, überdosierten Medikamenten, Einsamkeit der Isolation, intimen Leibesvisitationen – und Entlassung. „Als ich rauskam, hat meine Unterstützergruppe ‚Freiheit‘ gesungen und Seifenblasen gepustet. Der Regisseur meint, das ist zu viel auf der Bühne. Aber es ist mein Stück, den überzeuge ich schon noch."


Kritik II

Passauer Neue Presse, 24. Januar 2015

Freiheit und Seifenblasen

Drama der Passauerin von Ilona Haslbauer hatte Premiere in Regensburg. Von Julia Ried

Am Ende hat sie sogar die Seifenblasen bekommen. „Der Regisseur meint, das ist zu viel auf der Bühne", erzählte Ilona Haslbauer vor der Premiere. Das Theaterstück der 58-Jährigen, die sich als „zweiten Fall Mollath" bezeichnet und seit ihrer Entlassung aus der Psychiatrie in Passau lebt, war am Donnerstagabend zum ersten Mal im mit rund 140 Zuschauern gut gefüllten Regensburger Studententheater zu sehen.

„Ich habe die Tat nicht begangen und ich bin nicht psychisch krank - das will ich beweisen", sagt die Sozialpädagogin, die nach Taufkirchen in den Maßregelvollzug für nicht schuldfähige Straftäter eingewiesen wurde, weil sie eine Nachbarin mit dem Einkaufswagen gerammt haben soll. Auch auf der Bühne spricht sie, was dem Drama einen dokumentarischen Charakter verleiht. Ihre Biografie kommt vom Band und auch die Kommentare zu den „Szenen aus der Zwangspsychiatrie", so der Untertitel des Stücks „Friedhof der atmenden Toten", das Ilona Haslbauer in der ersten Reihe neben Unterstützern, Bekannten verfolgt. Gustl Mollath und Nina Hagen, die sie eingeladen hat, sind nicht dabei.

Die Szenen tragen Titel wie „Zimmerauszeit". „Der Zweck soll angeblich sein, die Patientinnen ,zur Ruhe kommen zu lassen'", erläutert die Erzählerin. Die Zimmernachbarin von Patientin Ilona kocht trotzdem Kaffee, zumindest bis die matronenhafte Krankenschwester Kraus (Nicole Kampa) loskreischt und „ich hole Verstärkung"- Alarm auslöst. Die Pfleger, rüpelhaft breitbeinig, kaugummikauend, ringen die Patientin zu Boden. „1,2,3" heben sie sie auf das Fixierbett, ziehen sie aus, die Gurte fest, schieben sie in das „Isolationszimmer", das auch als Kamerabild auf der Bühnenwand zu sehen ist. Stationsarzt von Braunschmidt (Marcus Glaab) schlappt nur sporadisch zu Psychospielchen - „ich komme und gehe wann ich will. So, ich gehe jetzt. So, jetzt bin ich wieder da" an den Betten vorbei. „Inzwischen ist von offizieller Seite bestätigt worden: In einem Zeitraum von 20 Monaten wurden 18 Patientinnen insgesamt 10 000 Stunden fixiert", tönt es vom Band.

Meist gefasst klopft Patientin Ilona (Loretta Lindl) dem Personal an die Tür - das „klopf, klopf, klopf, klopf“ mitsprechend. Mit dem Strafgesetzbuch in der Hand trägt sie ihr „Sie dürfen das nicht" durch das Stück. Gehört wird sie nicht, auch Kontakt nach draußen stört das Personal, da ist das Telefon tot, Briefmarken fehlen.

Nun kann sich Ilona Haslbauer Ausdruck verschaffen und das tut sie mit ihrem Stück ziemlich plakativ. Am Schluss spielt sie mit den meist studentischen Schauspielern, die sie herzt und drückt, ihre Entlassung nach, inklusive des Lieds „Freiheit" und der Seifenblasen.


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